Frauen werden anders krank – medizinische Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Die meisten körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen seit Beginn der Menschheit. Heute geht es mir nicht um den typischen Männerschnupfen, über den sich die Welt schon seit Jahrzehnten lustig macht. Die Lage ist deutlich ernster. Auch heute werden viele Medikamente vor allem an Männern getestet und in medizinischen Lehrbüchern werden vor allem die Krankheitssymptome von Männern aufgeführt. Das hat zur Folge, dass Therapien bei Frauen manchmal nicht anschlagen oder Erkrankungen deutlich später erkannt werden. Die Forschung ist zwar in den vergangenen Jahren im Bereich der Gendermedizin vorangekommen, aber leider noch nicht weit genug. Mir ist es wichtig, dass du darüber Bescheid weißt, damit du besser auf dich achten kannst.  

Das Herz

Die Verengung der Herzkranzgefäße gilt als typische Männerkrankheit. Das stimmt allerdings nur teilweise. Bei Männern tritt diese Erkrankung nur etwa 10 bis 15 Jahre früher auf. Mit Beginn der Wechseljahre, wenn weniger weibliche Hormone zum Schutz vorhanden sind, holen Frauen deutlich auf. Nach der Menopause, wenn Übergewicht und Bluthochdruck hinzukommen, steigen die Zahlen deutlich an. Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfälle gehören auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen. Studien zeigen außerdem, dass die Entfernung der Eierstöcke zu einem höheren Risiko für Herzkreislauferkrankungen führt.

Auch wenn die Anatomie gleich ist, unterscheiden sich die krankheitsbedingten Veränderungen bei Männern und Frauen.

Bei der koronaren Herzkrankheit kommt es zu einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels. Die Risikofaktoren dafür sind bei Männern und Frauen unterschiedlich einflussreich. Rauchen und Diabetes sind für Frauen gefährlicher und lassen das Herzinfarktrisiko steigen. Auch Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel machen sich bei Frauen deutlich schwerwiegender bemerkbar.

Herzmuskelprobleme äußern sich auch sehr unterschiedlich. Während bei Männern die Herzwände dünner werden, verdicken sie bei Frauen, reduzieren die Herzkapazität und erhöhen das Schlaganfallrisiko.

Die Diagnostik von Herzproblemen zeigt ebenfalls sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während ein Belastungs-EKG bei Männern sehr aussagekräftig ist, gibt es bei Frauen oft falsche Ergebnisse. Vor allem bei Frauen mit großem Busen oder kleinen Herzgefäßen liefert das EKG oft falsche Ergebnisse, was dazu führt, dass Herzprobleme bei Frauen schlechter zu diagnostizieren und zu behandeln sind.

Beispiel Herzinfarkt

Die klassischen Herzinfarktsymptome kennst du bestimmt: ein plötzlicher starker Schmerz in der Brust, der in die linke Schulter und den Arm ausstrahlt, begleitet von Todesangst.

Bei jeder 5. Frau sieht ein Herzinfarkt anders aus. Er tritt nicht plötzlich auf, sondern kann sich über Tage hinweg entwickeln. Die Frau kann kurzatmig sein und der Schmerz strahlt möglicherweise in den Nacken und den Kiefer aus. Zudem ist der Schmerz meistens nicht so stark und wird oft von Übelkeit begleitet.

Bei einem Herzinfarkt kommt es aber auf schnelles ärztliches Eingreifen an, so dass eine verzögerte Diagnose lebensgefährlich sein kann. Es sterben mehr Frauen bevor sie das Krankenhaus erreicht haben oder nachdem sie mit einer Fehldiagnose nach Hause geschickt wurden als Männer.

Auch Medikamente gegen Herzkreislauferkrankungen werden meistens von Männern getestet. Einige wirken bei Frauen weniger gut, andere haben mehr Nebenwirkungen. Acetylsalicylsäure, die als vorbeugendes Mittel eingesetzt wird, schützt Männer besser vor Herzinfarkten, Frauen eher vor Schlaganfällen.

Der Verdauungstrakt

Mit Verstopfung, Sodbrennen, Durchfall, Magenschmerzen oder Blähungen hat bei uns etwa jeder 5. zu tun. Für viele dieser Beschwerden gibt es keine anatomische Erklärung. Es fällt aber auf, dass vom Reizdarmsyndrom viermal mehr Frauen betroffen sind als Männer. Studien zeigen, dass die Erkrankung meistens zwischen Ende 20 und Mitte 40 erstmals auftritt und sich rund um die Regelblutung verschlimmert. Deshalb kann man davon ausgehen, dass Hormone eine Rolle spielen.

Auch Gallensteine sind eher Frauensache. Darauf werde ich in einem meiner nächsten Texte näher eingehen.

Darmkrebs tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Dafür ist die Früherkennung bei Frauen schwieriger. Die Stuhluntersuchung auf nicht sichtbares Blut, die häufig als Diagnoseverfahren angewendet wird, ist oft nicht so aussagekräftig. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass der Darminhalt bei Frauen langsamer weiterverarbeitet wird. Je länger Blut im Verdauungstrakt bleibt, desto mehr Zeit haben die roten Blutkörperchen, sich mit Sauerstoff zu verbinden. Dadurch wird die Erkennung über den Test erschwert und die Diagnose Darmkrebs möglicherweise erst später gestellt.

Schmerzen

Allgemein geht man davon aus, dass Frauen weniger schmerzempfindlich sind als Männer. Experimente haben allerdings gezeigt, dass Frauen deutlich mehr Schmerzen empfinden. Schmerzmittel wirken aber möglicherweise bei ihnen besser, so dass sie z.B. nach Operationen weniger davon benötigen.

Unter chronischen Schmerzen wie Migräne, Muskel- und Skelettschmerzen leiden Frauen deutlich häufiger.

Osteoporose

Osteoporose ist eine Knochenkrankheit, bei der die Knochenmasse abnimmt und das Skelett brüchig wird. Im Alter geht die Knochendichte bei Frauen dreimal so schnell zurück wie bei Männern und jede 2. Frau erkrankt durchschnittlich an Osteoporose, jede sechste muss im Laufe ihres Lebens mit einem Oberschenkelhalsbruch rechnen.

Damit hast Du einen kleinen Einblick über die medizinischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bekommen. Das wird sicherlich nicht der letzte Text zu diesem Thema sein. Denn die Gendermedizin ist natürlich viel umfangreicher als dieser erste Überblick.

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