Es ist doch schön, dass die Krimiautoren in Skandinavien immer noch Zuwachs bekommen. Eva Björk Aegisdottir gehört inzwischen zu den erfolgreichen Autorinnen. Für die eingedeutschte Schreibweise entschuldige ich mich, aber die isländischen Schriftzeichen sind mir (und meiner Tastatur) nicht so ganz geläufig. „Verborgen“ ist der dritte Krimi der 1988 geborenen Isländerin, die bereits mit dem renommierten Blackbird Award ausgezeichnet wurde.
Darum geht es
Akranes ist eine kleine Hafenstadt nördlich von Reykjavik, knapp 8000 Menschen leben dort recht beschaulich und ruhig. Um so größer ist die Aufregung als ein junger Mann Anfang 20 in seinem Elternhaus stirbt. Marino hatte zuvor einige Freunde zu Besuch, in der Nacht brach ein Feuer aus und er verbrannte in seinem Bett. Dass es sich nicht um ein Unglück gehandelt hat, wird schnell klar als in seinem Körper eine Menge Schlafmittel und in seinem „Kinderzimmer“ vergossenes Benzin gefunden wird.
Einige Tage später wird eine zweite Leiche gefunden. Sie lag versteckt im Schuppen von Marinos Eltern. Es handelt sich dabei um Lise, die in den Niederlanden aufgewachsen ist und als Au-pair bei einer Familie in Akranes lebte. Vermisst hatte sie niemand, alle glaubten, sie sei wie besprochen vorzeitig nach Hause zurückgekehrt.
Dass zwei junge, ruhige, beliebte Menschen getötet werden, wirft viele Rätsel auf. Die Ermittlungen übernehmen Elma und ihr Kollege Saevar. Beide haben nicht nur mit den Todesfällen zu tun, sondern auch mit sich selbst. Aus ihrer lockeren Beziehung ist etwas Festes geworden, aber als Elma merkt, dass sie schwanger ist, wirft es beide aus der Bahn.
Meine Meinung
Auch wenn es schon der 3. Teil einer Reihe über das Ermittler-Paar ist, ist es kein Problem an dieser Stelle einzusteigen. Ich kannte die Vorgängerbücher nicht und bin hervorragend klargekommen.
Gut gefallen hat mir die Erzählweise. Nicht chronologisch, sondern mal vorwärts und mal zurückgewandt. Mal sehr allgemein beobachtend, dann wieder konkret mit Blick auf alles, was Lise passiert ist. Die letzten Kapitel spielen einige Monate nach dem Ende der Ermittlungen und bieten noch einige Überraschungen. Man darf also bis zur letzten Seite gespannt sein, was sich hinter den gutbürgerlichen Fassaden der Kleinstadt tut.
Der Plot selbst hat mir auch gut gefallen. Es ist eine interessante Story, auch wenn man keine schlaflosen Nächte haben wird, weil die Spannung so groß ist.
Was ich allerdings sehr schade finde, ist, dass nicht unbedingt das drinsteckt, was draufsteht. „Island-Krimi“ sieht man schon dick gedruckt auf dem Cover und die Innenseite des Umschlags bietet eine schön gestaltete Landkarte der Umgebung. Das war aber – außer den Namen der Figuren – schon alles, was das Buch an Island-Flair zu bieten hat. Es wird noch kurz erwähnt, dass man neuerdings in warmen Quellen in der Nähe baden kann. Davon abgesehen könnte dieser Krimi fast überall auf der Welt spielen. Es gibt keine isländischen Orte, keine kulturellen Dinge, keine landestypischen Eigenheiten, die einen Krimi zu einem Island-Krimi machen würden.
In Kürze
Titel: Verborgen
Autorin: Verborgen
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erschienen: 2024
Preis: 17 Euro