Buchtipp: Das Institut (Stephen King)

Als Jugendliche habe ich alles von Stephen King verschlungen. Die Filme fand ich okay, die Bücher habe ich geliebt. Tatsächlich konnte es mir gar nicht gruselig genug sein. Irgendwann kippte es, warum kann ich heute gar nicht mehr sagen, und ich konnte nichts mehr von ihm lesen, weil ich den Horror, den er beschrieb, nicht aushalten konnte. Jetzt (in seinem und meinem) höheren Alter, habe ich ihn wieder für mich entdeckt. Die Fernsehserie „The Dome“ hat mir vor einigen Jahren wieder Lust auf die Bücher von Stephen King gemacht. Nicht alles, was er während meiner King-Abstinenz veröffentlicht hat, reizt mich, aber das eine oder andere Schätzchen konnte ich für mich entdecken. Mit „Das Institut“ hat er mich gepackt und es war für mich fast wie früher, als es mir schwerfiel, seine Geschichten aus der Hand zu legen.

Darum geht’s

Luke Elllis ist 12 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern in einer Vorortsiedlung von Minneapolis. Die drei sind das, was man eine richtig nette Familie nennen würde. Was sie von anderen unterscheidet, ist Lukes Klugheit. Er hat seinen Schulabschluss bereits in der Tasche und möchte nach den Ferien parallel an zwei Universitäten gleichzeitig studieren. Während er sich noch Gedanken darüber macht, wie er mit den deutlich älteren Studierenden klarkommen soll, brechen nachts drei Menschen in sein Zuhause ein, töten seine Eltern und entführen Luke.

Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einem Raum, der fast genauso aussieht wie sein Kinderzimmer. Allerdings gibt es dort kein Fenster. Relativ schnell stößt Luke auf andere Kinder, die ebenfalls mit Gewalt verschleppt wurden. Sie befinden sich in einer Art Jugendherberge, in der sie viele Freiheiten haben: Sie können ihr Essen wie im Restaurant bestellen, dürfen so lange aufbleiben wie sie wollen und sogar Alkohol und Zigaretten sind erlaubt, wenn sie sich dafür Belohnungsmünzen verdient haben.

Das Institut

Diese Ferienlageranmutung täuscht allerdings, denn die Kinder werden für eine Vielzahl an Experimenten missbraucht, die teils sehr schmerzhaft, teils lebensbedrohend sind. Den Ärzten und Pflegekräften ist ihr Wohlergehen recht egal, sie wollen nur ihren Job machen und Ergebnisse liefern. Alle Kinder, die wie Luke im vorderen Teil der großen Anlage leben, wissen wenig über die Gründe, warum sie dort sind und was mit ihnen passieren wird. Alles was sie sich erzählen, sind nur Vermutungen. Die einzigen Gemeinsamkeiten, die sie haben, sind paranormale Fähigkeiten, sie können entweder die Gedanken anderer Menschen hören oder Gegenstände bewegen. Luke gelingt es, sich dumm zu stellen und zu verbergen, dass er herumschnüffelt. Er findet heraus, dass die Experimente im Hinterhaus noch weitaus schlimmer sind und die Kinder dort so ausgebeutet werdet, dass sie als sabbernde, unselbständige Lebewesen auf dem „Rübenacker“ landen, einem Teil des Anwesens auf dem sie nur noch dahinvegetieren und der Tod eine Erlösung ist.

Mit einem solchen Ende will sich Luke nicht abfinden und er setzt seine gesamten geistigen Fähigkeiten dazu ein, aus dem streng gesicherten Institut zu fliehen.

Falls es so klingt, als ob ich schon die ganze Geschichte verraten habe: keine Sorge, ich habe die Handlung nur am Rande gestreift. Es passiert noch so viel mehr auf das du dich freuen kannst.

Meine Meinung

Stephen King ist für mich immer dann am besten, wenn seine Geschichte so realitätsnah sind, dass ich ihm das Übersinnliche oder Unglaubliche, über das er schreibt, auch noch abnehme. In diesem Buch gelingt ihm das wirklich meisterlich, weil er sich viel Zeit fürs Erzählen nimmt. Es sind 767 Seiten, auf denen er seine Geschichte entwickelt.

Ein geschickter Zug ist es, die Hauptfiguren erstmal in aller Ruhe vorzustellen. Wir erfahren wie sie leben, wie sie ticken, was ihnen wichtig ist und freunden uns mit ihnen an. Der Tod der Eltern und die Entführung kommen dann wie aus dem Nichts und sind erstmal schockierend.

Alles, was King über das Institut schreibt, bewegt sich auch auf diesem schmalen Grad zwischen „das kann es doch gar nicht geben“ und „es wäre schon möglich“. Ganz ehrlich: Der Gedanke, dass irgendwo auf einem abgelegenen und abgeschirmten Gelände Kampfstoffe erprobt, biologische Waffen entwickelt oder Elitesoldaten ausgebildet werden, ist doch nicht wirklich abwegig. Und der Schritt zu paranormalen Experimenten ist dann nicht mehr weit.

Dabei bewegt sich Stephen King am Rande dessen, was man als Leser oder Leserin aushalten kann und möchte. Die körperlichen und seelischen Schmerzen, die die Kinder ertragen müssen, sind wirklich hart. Trotzdem gibt es in all diesen Abgründen auch immer Momente voller Wärme und Freundschaft, ohne die die Qualen nicht erträglich wären.

Und natürlich darf auch der große Showdown nicht fehlen. Ich bräuchte ihn nicht, für mich ist das seit jeher immer zu groß und zu viel, aber es gehört bei Stephen King oft dazu und das akzeptiere ich einfach. Dies ist übrigens auch ein politisches Buch, erschienen in der Amtszeit von Donald Trump, das an vielen Stellen zeigt, wie ein erfolgreiches Land wie die USA an Haltung, Struktur und Traditionen verliert.

Dieses Buch ist auch für King-Einsteiger bestens geeignet. Inzwischen bekommst du es auch im Gebrauchtbücherhandel für kleines Geld.

In Kürze

Titel: Das Institut

Autor: Stephen King

Verlag: Heyne

Erschienen: 2019

Preis: 12.99 Euro

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