Buchtipp: Die Witwe ( Helene Flood)

Vor drei Jahren habe ich euch Helene Flood als neue Autorin vorgestellt, die man sich merken sollte: Helene Flood: Die Psychologin Sie hat mich nicht enttäuscht. Buch Nr. 2 – Die Affäre – habe ich verpasst, aber bei Psychothriller Nr. 3 hat sie mich wieder.

Darum geht’s

Evy und Erling führen seit 45 Jahren eine glückliche Ehe. Sie haben sich jung kennengelernt und noch während des Studiums geheiratet. Die drei Kinder längst erwachsen und Enkel gibt es auch schon. Ein idyllisches Leben, bei dem Evy sich um den Haushalt kümmert, während Erling so in seinem Job aufgeht, dass er auch als Rentner noch ein paar Stunden pro Woche arbeiten geht. So wie immer verabschiedet er sich freundlich von seiner Frau, sagt, wann er zurück sein wird und steigt auf sein Fahrrad. Doch diesmal kommt er nicht zurück. Denn nur zwei Straßen von Zuhause entfernt stürzt er und verletzt sich dabei so schwer, dass er noch an der Unfallstelle stirbt. Relativ schnell taucht der Verdacht auf, dass etwas mit Erlings Tod nicht stimmt. Es gibt Hinweise darauf, dass ihm jemand nach dem Leben getrachtet hat. Im gemeinsamen Haus passieren komische Dinge, Erlings Kalender ist verschwunden, auch das Unfallfahrrad ist weg. Türen, die immer verschlossen waren, stehen plötzlich offen. Evy weiß nicht, ob sie dem, was sie sieht, trauen kann. Vielleicht täuscht sie sich auch oder will derjenige, der möglicherweise das Fahrrad manipuliert hat, auch ihren Tod?

Ist die Welt hinter der Fassade doch nicht so heil?

Der Tag, an dem Erling stirbt, ist in dieser Geschichte Tag null. Die Kapitel heißen dementsprechend „vierunddreißig Jahre zuvor“ oder „siebzehn Tage danach“, so dass man immer gut einordnen kann, wo man sich in der zeitlichen Abfolge gerade befindet. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern in wilden Sprüngen, so dass die Überschriften sehr hilfreich sind.

Auf diese Weise erfahren wir zum Beispiel, wie Evy und Erling sich kennengelernt haben, warum sie schnell heiraten wollten und wie sie ihr Leben miteinander verbracht haben. Dazwischen begleiten wir Evy dabei, den Tod ihres Mannes zu verarbeiten. Dabei fällt immer wieder ihre Verwirrung auf: Sie hat Inhalte von Gesprächen nicht mitbekommen, kann sich an manche Ereignisse nicht erinnern und wirkt oft abwesend. Ich habe mich an diesen Stellen gefragt, ob ihr jemand heimlich Medikamente oder Drogen verabreicht oder ob sie vielleicht an Demenz erkrankt ist, so wie ihre Mutter. Erst in der Mitte des Buches erfährt man den wahren Grund für dieses Verhalten. Und ab diesem Punkt fällt dann auch auf, dass doch nicht alles so rosig war, wie es bisher aussah.

Evy ist bei den Kindern zu Hause geblieben, obwohl sie gerne gearbeitet hätte. Ihre Versuche als Lehrerin und Kinderbuchautorin sind letztlich gescheitert. Sie war die Lebendige, die etwas erleben wollte und hat sich ganz an den ruhigen, etwas langweiligen Erling angepasst und ihre eigenen Bedürfnisse verleugnet.

Obwohl sie die erste Zeit nach Erlings Unfall wie im Nebel erlebt, rafft sie sich schließlich doch auf und versucht, mit Hilfe eines alten Freundes, herauszufinden, was wirklich passiert ist. Warum hat Erling sein Testament geändert ohne ihr davon zu erzählen? Und wer hat eine Gasleitung manipuliert und einen Molotowcocktail durchs Fenster geschmissen? Ja, auch Evys Leben ist in Gefahr, das wird immer deutlicher, je weiter der Text voranschreitet.

Meine Meinung

Dieser Psychothriller kommt ganz ruhig daher. Evy und Erling könnten unser aller Nachbarn sein. Ein durchschnittliches Ehepaar Ende 60, freundlich, aber ohne allzu viele enge Kontakte. Durch die vielen Zeitsprünge gibt es keine kontinuierliche Spannungssteigerung, sondern ein ständiges Auf und Ab. Auf einen Mordanschlag folgt beispielsweise der Blick auf ein entspanntes Ereignis in der Vergangenheit.

Erst als man ahnt, dass es sich bei Erlings Tod nicht um einen Unfall gehandelt hat und es Hinweise darauf gibt, in welchem Umfeld man den Täter vermuten kann, bleibt es durchgehend spannend. Zu diesem Zeitpunkt ist auch schon klar, dass die Fassade des bürgerlichen Lebens, in dem alles in Ordnung war, nicht aufrechterhalten werden kann.

Mir hat die Unaufgeregtheit im Erzählen gefallen und dass wir es tatsächlich mit ganz normalen Menschen zu tun haben. Zudem sind die Hauptpersonen deutlich älter als in den meisten Bücher der Fall ist, das war eine schöne Abwechslung.

Helene Flood schafft es hervorragend, uns als Lesende auf eine ganz falsche Fährte zu locken, die damit zu tun hat, dass wir erstmal nicht verstehen, was mit Evy los ist. Für alle, die es aufregend, aber unblutig mögen, genau das richtige Buch.

Ist das ein Buch das euch gefallen könnte? Lasst gerne einen Kommentar da.

In Kürze

Titel: Die Witwe

Autor: Helene Flood

Verlag: btb

Erschienen: 2025

Preis: 17 Euro

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