Manche Bücher berühren einen genau zur richtigen Zeit. „Wie Schiffe auf stürmischer See“ von Kathy Biggs ist für mich so ein Roman. Das Jahr hat gerade erst begonnen, und doch bin ich mir schon jetzt sicher, dass dieses Buch in meinen persönlichen Jahrescharts 2026 ganz weit vorne landen wird. Warmherzig, emotional und lebensnah – eine Geschichte, die lange nachklingt.
Darum geht’s
Im Mittelpunkt des Romans steht Grace, Anfang 40. Sie hat ihren Sohn verloren, eine schwierige Ehe hinter sich und steht plötzlich wieder dort, wo alles begonnen hat: auf der Farm ihrer Familie. Nach dem Tod der Mutter bewirtschaftet ihr Vater Jack den Hof allein – doch er wird zunehmend gebrechlich und verwirrt.
Grace steht damit vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Sie versucht, die Pflege ihres Vaters, die Arbeit auf dem Hof und ihren Job in einer Rechtsanwaltskanzlei unter einen Hut zu bringen. Dabei hat sie ständig Angst, dass die Sozialfürsorge eingreift und Jack in ein Pflegeheim bringen könnte, weil sie ihm nicht genug Aufmerksamkeit schenken kann.
Eines Tages steht eine junge Frau vor der Tür. Malin ist auf der Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat. Sie glaubt, ihn in Michael, dem Bruder von Grace, gefunden zu haben. Michael ist jedoch schon vor Malins Geburt bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen – zumindest offiziell. Seine Leiche wurde nie gefunden.
Als Malin Fotos zeigt, auf denen Michael sie als Baby im Arm hält, fasst Grace einen mutigen Entschluss. Gemeinsam mit Malin und ihrem dementen Vater macht sie sich auf den Weg, um nach Michael zu suchen. Auf dieser Reise wachsen die drei eng zusammen – und erkennen, dass Familie manchmal weit über das hinausgeht, was auf dem Papier steht.
Meine Meinung
Ich liebe dieses Buch. Es überzeugt mit starken Figuren, einer emotionalen und zugleich spannenden Handlung – und einem wunderbaren Setting am Meer, das gerade in der kühlen, windigen Jahreszeit eine ganz eigene Atmosphäre entfaltet.
Grace ist erschöpft vom Leben, von Verantwortung und vom Verlust ihres Sohnes. Sie kann und will ihren Vater nicht auch noch verlieren. Deshalb opfert sie sich für ihn auf, obwohl er längst nicht mehr der Halt sein kann, den sie selbst bräuchte. Wie tief ihre Liebe zu ihm ist, zeigt ein berührendes tägliches Ritual: Jeden Abend hören Grace und Jack gemeinsam die Schiffsmeldungen im Radio. Weil Jack immer wieder vergisst, dass sein Sohn bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen ist, hat Grace die Meldungen eines ruhigen Tages auf Kassette aufgenommen. Jeden Abend spielt sie ihm diese guten Aussichten vor, damit er beruhigt einschlafen kann. Diese kleinen, leisen Momente machen das Buch besonders eindrucksvoll.
Das Auftauchen von Malin erweist sich als Glücksfall. Auch wenn sie zunächst Unruhe in den Alltag bringt, schenkt ihre positive Energie Grace und Jack neue Hoffnung – vielleicht lebt Michael ja doch noch? Die gemeinsame Suche gibt allen dreien Kraft und zeigt, wie heilsam Zusammenhalt sein kann.
Jede der Figuren trägt ihr eigenes Päckchen, auf das ich hier nicht näher eingehen möchte. Nur so viel: Gemeinsam lassen sich Verlust, Schuld und Hoffnung deutlich besser ertragen. Ich habe gelacht, mitgefiebert und auch ein wenig geweint. Kurz gesagt: Dieses Buch hat alles, was eine gute Familiengeschichte braucht.
Fazit: Lohnt sich „Wie Schiffe auf stürmischer See“?
Ja, unbedingt. „Wie Schiffe auf stürmischer See“ ist einer der schönsten Familienromane, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Wer Geschichten über Verlust, Zusammenhalt und zweite Chancen liebt, wird hier sehr glücklich. Besonders gefallen hat mir die realistische, bodenständige Erzählweise, die den vielen Emotionen Glaubwürdigkeit verleiht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
In Kürze
Titel: Wie Schiffe auf stürmischer See
Autorin: Kathy Biggs
Genre: Familienroman
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 2025
Preis: 22 €