Die Farm der Mädchen von Hans Rosenfeldt – Düsterer Skandinavien-Thriller über ein skrupelloses Netzwerk

Hans Rosenfeldt hat es geschafft, dass ich gar nicht mehr von meinem Fernseher wegzubringen war. Die Serie „Die Brücke“, für die er das Drehbuch geschrieben hat, ist so ziemlich das Beste, was ich im Bereich skandinavischer Thriller bisher gesehen habe. Und auch seine Sebastian Bergmann-Reihe mag ich sehr gerne. Von daher waren meine Erwartungen und meine Vorfreude auf seinen neuen Roman groß.

Darum geht’s

Die Geschichte spielt in Nordschweden, direkt an der Grenze zu Finnland. Der Ort Haparanda, mit seinen gut 9000 Einwohnern war bisher ruhig und etwas langweilig, abgesehen vom regen Drogenhandel im Grenzgebiet.

Allerdings blüht etwas außerhalb der Stadt ein neues Geschäftsfeld: Der Handel mit Säuglingen. Von Russland aus gesteuert werden junge Frauen aus Osteuropa mit der Aussicht auf einen guten Job geködert und verlassen ihre Heimat freiwillig. Auf sie wartet aber keine Servicetätigkeit in einem schönen Café in Spanien, sondern ein Anwesen in Schweden. Dort werden sie geschwängert und monatelang festgehalten, bis sie ein Kind zur Welt bringen. Der Säugling wird dann für viel Geld an kinderlose Paare verkauft.

Zwei der jungen Frauen gelingt hochschwanger die Flucht in ein großes einsames Waldgebiet. Bei einer von ihnen gibt es Komplikationen und sie und das Kind sterben. Dardana schafft es bis in die Stadt und kann bei einem freundlichen Junkie unterschlüpfen. Im Fernsehen sieht sie zufällig den Mann, für den sie das Kind austrägt und versucht, ihn zu erpressen. Doch das Netzwerk, dass dahinter steckt, ist zu groß für eine einzelne Person. Das muss auch Hannah Wester feststellen, die mit ihren Kollegen in diesem Fall ermittelt. Nach einem Jahr ist sie gerade erst zur Arbeit zurückgekehrt. Nachdem ihr Mann bei einem ihrer Einsätze getötet wurde, hatte sie sich komplett zurückgezogen und muss nun langsam wieder lernen, mit dem Leben klarzukommen.

Meine Meinung

„Die Farm der Mädchen“ ist die Fortsetzung von Wolfssommer, einem Krimi der 2021 erschienen ist. Ich habe ihn nicht gelesen und kann deshalb sagen, dass man auch gut erst mit diesem Buch in die Reihe um Polizistin Hannah Wester einsteigen kann. Der Autor nimmt uns Neueinsteiger gut mit und erklärt alles, was nötig ist, ohne, dass sich die alten Hasen langweilen müssen. Sie werden hier einige alte Bekannte wieder treffen – sowohl bei den Guten, als auch bei den Bösen.

Ich fand die Verstrickungen über viele Ländergrenzen hinweg sehr erschreckend. Und auch, wer alles beteiligt ist, welche Skrupellosigkeit dahintersteckt und was Macht und Geld alles möglich machen.

Meine Erwartungen an ein neues Buch von Hans Rosenfeldt waren gigantisch hoch, wahrscheinlich zu hoch. Das ist ein wirklich spannender Thriller, handwerklich gut gemacht und mit sehr glaubwürdigen Hintergründen – auch wenn man sich nicht vorstellen mag, dass das alles wirklich stimmen könnte. Dennoch habe ich ein bisschen mehr erwartet, wobei ich dieses Wort „mehr“ gar nicht wirklich erklären kann. Aber ich denke, dies hat wirklich nur mit meinen überzogenen Erwartungen zu tun. Es ist ein spannendes, abwechslungsreiches Buch mit vielen Plottwists. Also wirklich gut gemacht. Besonders hervorheben möchte ich noch die Frauenfiguren. So viele davon findet man selten in einem Buch. Ungewöhnlich auch, dass die böseste Figur eine Frau ist und mit Dardana und Hannah haben wir zwei wirklich starke Personen, die aber an die Grenze dessen kommen, was sie aushalten können. 

Ich habe mir „Wolfssommer“ schon besorgt und werde den Start in die Reihe noch nacharbeiten.

Fazit: Lohnt sich „Die Farm der Mädchen“?

Ja. Wer intensive Spannung, komplexe Ermittlungen und ein erschütternd realistisches Szenario sucht, bekommt hier einen packenden Skandinavien-Thriller mit starken Figuren und gesellschaftlicher Relevanz.

In Kürze

Titel: Die Farm der Mädchen
Autor: Hans Rosenfeldt
Genre: Thriller / Skandinavien-Thriller
Verlag: Rowohlt Wunderlich
Erscheinungsjahr: 2026
Preis: 24 €

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