John Brownlow: Seventeen

Hier erwartet euch ein Agententhriller. An James Bond ohne ähnliche Typen müsst ihr gar nicht erst denken. Der Titelheld dieser Geschichte ist völlig anders.

Seventeen

Es fängt schon damit an, dass wir erstmal erfahren, wie langweilig das Agentendasein ist. Die meisten Spione sitzen in Großraumbüros, tragen Krawatte, fragen sich was es mittags in der Kantine gibt, während sie monatealte ausländische Zeitungen lesen, in der Hoffnung einen winziges Informationshäppchen zu finden. Und dann gibt es noch die anderen, so wie Seventeen. Sie haben nicht mal mehr einen Namen, sondern nur noch eine Nummer. Sie sind im Außeneinsatz, sie töten ohne zu zucken, wenn es darum geht, wichtige Informationen zu beschaffen oder Kriege zu verhindern. Sie sind die besten, werden nie erwischt und leben einfach außerhalb der ganz normalen Welt. Es ist nicht mal mehr ein Doppelleben, dass sie führen, denn sie haben alles für diesen Job aufgegeben. Seventeen ist der beste Auftragsmörder der Welt und der 17. in einer langen Reihe. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, tötet man sie.

Sixteen

Der einzige, der noch am Leben ist, ist Sixteen. Er ist einfach irgendwann verschwunden, niemand weiß wohin. Als Seventeen den Auftrag bekommt, ihn zu töten, ist es für ihn nicht schwer seinen Vorgänger zu finden. Beide sind hervorragend ausgebildet und denken gleich. Sixteen hat sich in ein hügeliges Waldstück am Rande eines kleinen Ortes zurückgezogen. Dort lebt er seit Jahren ein ruhiges Leben, ohne elektronische Geräte und Medien. Seine Angst aufgespürt zu werden ist groß, daher versucht er jede Überwachung auszuschließen und verlässt sich auf seine Instinkte. Als Seventeen bei ihm auftaucht, bleibt ihm nur eine Option: er muss schneller sein und seinen Nachfolger zuerst töten.

Action pur

Zwischen den beiden Auftragskillern beginnt ein harter Kampf, in den schnell zwei Frauen involviert sind, die beiden am Herzen liegen. Es fliegt vieles in die Luft, es sterben Menschen, Autos und Hubschrauber gehen in Flammen auf – kurz gesagt: es ist ein Actionfilm zwischen zwei Buchdeckeln. Schon nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, dass es völlig normal ist, Menschen umzubringen. Und als beide Männer erkennen, dass man sie gegeneinander ausspielen will und sie sich besser zusammenraufen sollten, haben sie schon jede Menge Blessuren davongetragen.

Meine Meinung

John Brownlow ist Drehbuchautor und legt mit Seventeen sein erstes Buch vor. Seinen eigentlichen Job merkt man beim Lesen sofort. Er beschreibt klar und präzise, er hat ein Gespür für Timing, er kann einen Spannungsbogen schaffen und uns am Punkt der höchsten Spannung einfach hängen lassen, weil er – mal eben – etwas völlig anderes erzählt. Damit quält er uns, lässt uns aber gleichzeitig darauf hinfiebern, wie es weitergeht. Ich habe selten so klare Bilder beim Lesen vor Augen gehabt wie hier. Was mir aber am allerbesten gefällt ist, die Ironie mit der er arbeitet. Die Beschreibung der Agententätigkeit, der Blick auf lebensgefährliche Fehler, die passieren, die Schilderung der Figuren (auch in den Nebenrollen), all das hat mir wirklich Spaß gemacht. Dabei kommt auch die Charakterisierung der Protagonisten nicht zu kurz. Man kann es zwar nicht gut heißen, dass jemand das Töten zu seinem Job macht, kann aber zumindest verstehen, wie es dazu kommen konnte. Wer also Filme mag, in denen es ordentlich KRAWUMM macht, wird auch an diesem Buch seine Freude haben.

In Kürze

Titel: Seventeen

Autor: John Brownlow

Verlag: rororo

Erschienen: 2023

Preis: 13 Euro

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