Ich stelle Euch in meinem Blog selten Bücher von Politikern vor, einfach deshalb, weil sie mich meistens nicht interessieren und ich sie deshalb nicht lese. Was nicht bedeutet, dass ich ein unpolitischer Mensch bin. Auf jeden Fall habe ich in diesem Fall eine Ausnahme gemacht.
Herbert Reul
Herbert Reul ist schon eine ganze Weile Innenminister von NRW und für mich einer der wenigen ranghohen Politiker, die auch unbequeme Wahrheiten aussprechen. Damit hat er sich nicht immer Freunde gemacht. Er redet kein verklausuliertes Politikdeutsch, sondern bringt Dinge so auf den Punkt, dass sie für alle Bürgerinnen und Bürger verständlich sind. Das finde ich gut und auch wenn wir parteipolitisch nicht zum selben Lager gehören, kann ich vieles, was er angeht, nachvollziehen.
Ich bin Herbert Reul mehrfach beruflich begegnet und habe ihn dabei als guten und zugewandten Gesprächspartner kennengelernt, der sich für das, was sein Gegenüber erzählt, interessiert. Wenn er Dinge hört, auf die er nicht antworten kann oder die ihm nicht richtig vorkommen, nimmt er ein Thema mit und meldet sich nach einiger Zeit nochmal, nachdem er sich informiert hat und eine Lösung kennt. Das macht ihn nahbar und weckt Vertrauen. Und wenn ich ihn mit einem Wort beschreiben müsste, wäre das „konsequent“. Es waren kurze Begegnungen, von daher haben Mitarbeitende oder politische Weggefährten vielleicht anderes zu berichten, aber das Beschriebene ist mein persönlicher Eindruck.
Die Situation in NRW
Reul lebt und arbeitet in NRW, von daher beschäftigt sich sein Buch auch mit den Themen dieses Bundeslandes. Vieles lässt sich sicherlich auch übertragen. Es geht um Terrorismusbekämpfung, Cyberkriminalität, Clanverbrechen – um nur einige Beispiele zu nennen. Reul erklärt den Ist-Stand und seine Reaktion darauf. Er schildert, wie es war, als bestimmte Ereignisse über ihn hereingebrochen sind, wie zum Beispiel der Missbrauchsskandal von Lügde, und warum er was wie in die Wege geleitet hat.
Für einige seiner Maßnahmen hat er herbe Kritik einstecken müssen („Was sollen es gegen Clankriminalität bringen, wenn man Shisha-Bars kontrolliert? Das sind doch die kleinen Fische.“) und hier nimmt er sich Zeit um Raum, um in Ruhe zu erklären, warum z.B. seine Methode der 1000 Nadelstiche doch Erfolge zeigt.
Er zeigt, was ihm Sorgen bereitet (mehr Gewalttaten, zunehmender Extremismus) und fordert Lösungen ein. Gerade die Politik müsse das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen, verlässlich sein, ehrlich sein und sich um die Probleme der Menschen kümmern.
Meine Meinung
Die Sprache in diesem Buch ist so, wie man es von Herbert Reul kennt: Klar, einfach und auf den Punkt. Da wird nicht kompliziert formuliert um zu verstecken, was man eigentlich sagen muss/will, sondern ausgesprochen, was Sache ist. Dadurch lässt sich der Text sehr flüssig lesen. Die Probleme, die angesprochen werden, sind wahrscheinlich die, die viele Menschen beunruhigen. Reul hat keine Patentlösungen parat, zeigt aber, dass zumindest in Nordrhein-Westfalen daran gearbeitet wird, Verbesserungen zu erreichen.
Sehr sympathisch finde ich, dass er auch Schwächen eingesteht, zeigt, dass manche Entwicklungen ihn selbst überrascht haben und er auch nicht wusste, wie er reagieren sollte. Die Ehrlichkeit, die er von der Politik fordert, liefert er also selbst ab.
Natürlich gibt es auch ein bisschen Lobhudelei, wenn er zwischen den Zeilen darauf hinweist, was in seiner Amtszeit, gerade für die Polizei getan wurde. Aber es sind eben neue Zeiten und gerade für Ermittlungen im Internet, sei es in Sachen Kinderpornografie, Anschlagsvorbeugung oder Cyberkriminalität muss man viel Geld in die Hand nehmen, um den Bösen nicht immer hinterher zu laufen. Es geht aber in diesem Buch vor allem um die Sache und nicht um den Politiker.
In Kürze
Titel: Sicherheit
Autor: Herbert Reul
Verlag: Hoffmann und Campe
Erschienen: 2025
Preis: 25 Euro