Cover des Buches

Diego Muzzio: Goliaths Auge – Meer und Einsamkeit können grausam sein

Heute möchte ich euch einen sehr ungewöhnlichen Roman vorstellen. Düster und schwer, die perfekte Lektüre für einen kalten, dunklen und stürmischen Herbst.

Darum geht’s

Der Roman spielt Mitte der 1920er Jahre. Vor den Toren Edinburghs befindet sich die private Nervenheilanstalt von Dr. Pierce. Er behandelt junge Männer, die aus dem ersten Weltkrieg psychische Beeinträchtigungen mitgebracht haben. Sie stammen aus gutem Haus, werden aber in der Gesellschaft nicht gerne gesehen und daher weggesperrt. Pierce setzt eine innovative Hypnosetherapie ein, die von anderen europäischen Psychiatern verlacht wird und hat mit dieser fachlichen Ausgrenzung und einer eigenen Kriegsverletzung zu kämpfen.

Eines Abends bringt man ihm einen neuen Patienten. Sobald man diesen von der Zwangsjacke befreit, legt er sich auf den Boden und führt Schwimmbewegungen aus. So lange, bis er vor Erschöpfung ohnmächtig wird. Kommt er wieder zu sich, krault er weiter. Dieser David Bradley war ebenfalls im Krieg und ist danach wieder in seinen Beruf als Ingenieur zurückgekehrt. Um ihm Ruhe zu gönnen, schickt ihn sein Unternehmen in Richtung Argentinien, um dort Leuchttürme zu überprüfen und zu reparieren. Sein letzter Einsatz war auf einer einsamen Insel mit einem Leuchtturm namens Goliaths Auge. Seitdem zeigt er die psychischen Auffälligkeiten.

Während seines Aufenthalts hat er Tagebuch geführt. Dieses hilft Dr. Pierce bei der Behandlung.

Meine Meinung

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Es gibt die eigentliche Handlung in der psychiatrischen Einrichtung und dazu können wir das Tagebuch von David Bradley lesen. So erfahren wir, was dem psychisch angeschlagenen Mann auf der Insel wiederfährt. Der Leuchtturmwärter hat sich das Leben genommen und sein Geist scheint immer noch präsent zu sein. Dazu der ständige Sturm, die Kälte, die Dunkelheit und die Einsamkeit – all das macht Bradley schwer zu schaffen. Das Schiff, dass ihn nach wenigen Tagen abholen sollte, taucht nicht auf, seine Vorräte reichen nicht und er verfällt immer mehr dem Wahnsinn.

Sein langsames Verschwinden in eine Phantasiewelt und sein täglicher Kampf ums Überleben haben mich sehr in ihren Bann gezogen. Vor allem die Einsamkeit, die der Ingenieur auf der kargen Insel empfindet, ist auch beim Lesen sehr deutlich spürbar. In seinem Tagebuch zitiert er aus den Aufzeichnungen des früheren Leuchtturmwärters – auch die sind sehr eindrucksvoll.

Gleichzeitig fand ich den Einblick in die Psychiatrie vor etwa 100 Jahren äußerst spannend. Hier mit dem Blick auf einen Arzt, der neue Methoden – durchaus mit Erfolg – anwendet, dafür aber sehr deutlich kritisiert wird.

Darüber hinaus handelt es sich ganz eindeutig um einen Anti-Kriegs-Roman. Das Grauen, die Verletzungen, die Folgen des Krieges werden hier äußerst drastisch und realistisch geschildert.

Für mich ist es ein wirklich ungewöhnliches, lohnenswertes Buch, das mich allerdings mit einer trüben Stimmung zurückgelassen hat. Aber es ist nun mal so, dass es nicht immer ein strahlendes Happy End geben kann. Das würde hier auch nicht passen. 

Fazit – Lohnt sich Goliaths Auge?

Ich fand dieses Buch auf jeden Fall lohnenswert, weil es eine ungewöhnliche Geschichte an ungewöhnlichen Spielorten beschreibt. Psychiatrie und einsame Inseln wurden mir auf diese Art bisher nicht nähergebracht. Das Buch ist gut konstruiert und wer es liest, bekommt einen neuen Blick auf die Welt geboten. 

In Kürze

Titel: Goliaths Auge

Autor: Diego Muzzio

Genre: Roman

Erschienen: 1926

Verlag: Mare

Preis: 22€

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