Wohin mit gelesenen Büchern? – Ein Plädoyer für öffentliche Bücherschränke

Ich kann mich noch sehr dunkel daran erinnern, dass ich während der Schulzeit einen ganzen Stapel gelber Reclamhefte ins Altpapier geworfen habe. Ich hatte keine Lust mehr auf die vorgeschriebene Lektüre, aufgezwungen und unverstanden. Jahre später habe ich mich darüber geärgert und bis heute schäme ich mich ein bisschen dafür.

Heute fällt es mir unglaublich schwer, Bücher wegzuschmeißen. Auch wenn Seiten fehlen und das Ding fast auseinander fällt. Behalten möchte ich aber die wenigsten. Mit den Büchern, die ich besitze, aber noch nicht gelesen habe, fülle ich inzwischen eine ganze Regelwand. Wenn ich auch noch die gelesenen aufbewahre, wäre bei mir schon längst kein Platz mehr für Menschen. Also habe ich schon vor vielen Jahren nach anderen Möglichkeiten gesucht.

Family & Friends

Lange musste meine Schwester als Buchabgabestelle herhalten. Da wir weit auseinander wohnen und uns nicht so oft sehen, wurden bei jedem Treffen große Kartons ausgetauscht. Seit sie – im Gegensatz zu mir – aufs E-Book umgestiegen ist, hat sich unser Tauschhandel leider erledigt.

Verkaufen & Verschenken

Inzwischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit gebrauchten Büchern noch ein bisschen Geld zu machen. Kleinanzeigenportale, Gebrauchtwarenhändler und Auktionsplattformen sind nur einige der Möglichkeiten. Gerade bei Auktionen und dem Verkauf einzelner Bücher braucht man Geduld und eine gute Portion Zeit, weil alles einzeln verpackt und verschickt werden muss. Außerdem erhält man meistens nur einen Bruchteil des Kaufpreises zurück. Ich habe für mich einen Onlinehändler für gebrauchte Bücher entdeckt, der meinen Ansprüchen sehr nahe kommt. Ich kann meine Bücher einscannen, sehe sofort, wie viel Geld ich dafür erhalte und bekomme einen kostenlosen Paketaufkleber. Das Geld ist immer schnell auf dem Konto und für Vielleser wie mich gibt es die Möglichkeit, das Geld (plus 20% Zuschlag) direkt wieder in Bücher zu investieren. Davon mache ich regelmäßig Gebrauch. Bücher, die ich auf diesem Weg  nicht loswerde, inseriere ich, wenn ich keine Zeit oder Lust habe, raus zu gehen, auch gerne in einem Kleinanzeigenportal in der Rubrik „zu verschenken“. Ich mag es, zu wissen, wer meine Bücher übernimmt und es gefällt mir zu sehen, wie derjenige sich darüber freut.

Öffentliche Bücherschränke

Mein absoluter Favorit sind aber die öffentlichen Bücherschränke. Das Konzept dahinter ist einfach genial: Abgeben, was man entbehren kann und mitnehmen, was einem gefällt. Niemand kontrolliert, wie viele Bücher man mitnimmt, niemand bewertet die inhaltliche Qualität der Bücher und das Ganze kostet nichts. Solche Bücherschränke gibt es in leer stehenden Ladenlokalen, in Begegnungsstätten, in Kneipen, an Recyclinghöfen oder auf öffentlichen Plätzen. In meiner Stadt wurden alte Telefonzellen dafür umlackiert und sind überall, wo viele Menschen vorbei kommen, zu finden. Wikipedia sagt, es gibt mittlerweile mehr als 3000 in ganz Deutschland. Es müssen aber noch viel mehr sein. Für meine Stadt werden dort zum Beispiel nur vier dieser Leseorte aufgeführt, es sind aber inzwischen mehr als 30. Falls deine Heimat noch nicht dazu gehört, solltest du dir vielleicht mal überlegen, selbst aktiv zu werden. Ich finde jeden Gang zum Bücherschrank spannend:  Man weiß nie, ob man etwas findet, wenn man dort vorbeischaut, sollte aber immer eine Tasche dabei haben, falls es mehr tolle Bücher gibt, als erwartet.  

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