John Grisham gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Ich habe bisher jedes seiner Bücher gelesen und freue mich jedes Mal auf einen neuen Roman. Besonders mag ich seine Geschichten, wenn sie sich im Gerichtssaal abspielen. Kaum jemand versteht es so gut wie Grisham, Gerichtsverhandlungen spannend und gleichzeitig authentisch zu erzählen. Das Vermächtnis spielt zwar größtenteils außerhalb des Gerichtssaals, hat mich aber trotzdem von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten.
Darum geht’s
Der Anwalt Simon Latch steckt beruflich in einer Sackgasse. Seine kleine Kanzlei wirft kaum Gewinn ab und auch privat läuft es nicht rund – die Trennung von seiner Frau scheint unausweichlich. Da betritt die wohlhabende Witwe Eleanor Barnett seine Kanzlei. Sie hat bereits mehrere Anwälte verschlissen und möchte ihr Testament erneut ändern. Der Grund: Ihre Stiefsöhne sollen keinen keinen Cent ihres Vermögens erhalten.
Da Eleanor weder Familie noch enge Freunde hat, entwickelt sich zwischen ihr und Simon nach und nach ein ungewöhnliches Verhältnis. Er kümmert sich um viele organisatorische Dinge, begleitet sie regelmäßig zum Essen und wird zu einer ihrer wichtigsten Bezugspersonen. Er setzt darauf, dass er nach ihrem Tod als Testamentsvollstrecker mit einem sehr hohen Stundensatz alle finanziellen Sorgen los sein wird. Eins macht ihn allerdings stutzig: Eleanor wird überhaupt nicht wie eine reiche Frau. Sie wohnt bescheiden, fährt ein altes Auto und zahlt auch nie die Rechnung im Restaurant.
Als Eleanor überraschend stirbt, wird aus dem erhofften Geldsegen für Simon ein Albtraum, denn plötzlich gerät er selbst ins Visier der Ermittler. Denn er war derjenige, der immer in Eleanors Nähe war und von ihrem Testament am meisten profitiert. Während er versucht, seine Unschuld zu beweisen, wird immer deutlicher, welche Begehrlichkeiten ein großes Vermögen wecken kann.
Meine Meinung
John Grisham schafft es einfach immer wieder, mich in seine Geschichten hineinzuziehen. Sein Schreibstil ist flüssig, die Figuren wirken glaubwürdig und die Handlung entwickelt sich genau in dem Tempo, das ich von ihm kenne und schätze. Seine Bücher sind literarisch nicht sonderlich anspruchsvoll, bieten mir aber immer die Möglichkeit einer kleinen, entspannten Auszeit.
Besonders gut gefallen hat mir diesmal das Thema Geldgier. Kaum steht fest, dass es um ein riesiges Vermögen geht, tauchen plötzlich Menschen auf, die Ansprüche anmelden oder glauben, ein Recht auf einen Teil des Erbes zu haben. Grisham zeigt sehr anschaulich, wie Geld den Charakter verändern kann und wie schnell Menschen zu sprichwörtlichen Geiern werden, wenn irgendwo etwas zu holen ist.
Simon Latch mochte ich als Hauptfigur ebenfalls sehr. Er ist kein strahlender Held, sondern ein Anwalt, der auf die große Chance seines Lebens hofft und dabei durchaus eigene Interessen verfolgt. Auch, wenn er auf Profit hofft, ist er im Herzen ein guter Kerl, der um Eleanors Wohlergehen besorgt ist. Gerade das macht ihn sympathisch und menschlich.
Das Vermächtnis ist ein spannender, klug konstruierter Justizthriller, der weniger von spektakulären Prozessen als von seinen Figuren und den menschlichen Abgründen lebt.
Fazit – Ist „Das Vermächtnis“ empfehlenswert?
Definitiv. Das Vermächtnis hat mich hervorragend unterhalten. Besonders die Frage, was ein großes Erbe mit Menschen macht und wie schnell Geld Begehrlichkeiten weckt, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Wer John Grisham mag, wird auch dieses Buch mit viel Freude lesen. Und wer ihn bisher noch nicht kennt, bekommt einen sehr guten Eindruck davon, warum er seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Autoren seines Genres zählt.
In Kürze
Titel: Das Vermächtnis
Autor: John Grisham
Genre: Justizthriller
Verlag: Heyne
Erschienen: 2026
Preis: 24 €