Buchtipp #12 – Friedrich Ani: Süden

Zwar schon etwas älter, aber immer noch gut.

Worum geht es?

Raimund Zacherl, Gastwirt aus Bayern, ist seit vier Jahren spurlos verschwunden. Seine Frau hatte bereits damals eine Detektei nach ihm suchen lassen – ohne Erfolg. Nun startet sie einen neuen Versuch. Tabor Süden ist neu in der Detektei. Der ehemalige Polizist ist nach mehreren Jahren nach München zurückgekehrt, um seinen Vater zu finden. Südens erster Auftrag ist die Suche nach Raimund Zacherl. Er redet mit allen in dessen Umfeld, sucht nach schmutzigen Geschäften und einer alten Liebe und findet schließlich eine Spur, die ihn nach Sylt führt.

Der Ermittler

Tabor Süden, 50+ und auf den ersten Blick eine gescheiterte Existenz. Da ich die Vorgängerromane nicht kenne, fehlt mir seine Vorgeschichte. Bei der Polizei ausgestiegen oder rausgeflogen, hat er zuletzt in Köln als Kellner gearbeitet. Sein Vater hat die Familie verlassen und sich nie wieder gemeldet. Nach 35 Jahren erhält Süden einen Anruf von ihm, allerdings wird das Gespräch unterbrochen, bevor die beiden wirklich miteinander reden können. Viel Alkohol ist im Spiel, eine melancholische Niedergeschlagenheit umgibt ihn in diesem Buch. Ein strahlender Held ist er sicherlich nicht. Trotzdem oder gerade deshalb gelingt es ihm, sich in den verschwundenen Raimund Zacherl hineinzuversetzen. Was muss mit einem Menschen passiert sein, der von heute auf einfach sein altes Leben verlässt ohne irgendetwas mitzunehmen. Der verschwindet und sich nie wieder bei seinen Angehörigen meldet? Süden redet kaum, sondern hört eher zu und eine dunkle Note schwingt bei allem mit, was er tut.

Der Autor

Friedrich Ani ist Jahrgang 1959 und lebt im idyllischen Kochel am See. Er hat als Polizeireporter und Hörspiel-, Drehbuch- und Jugendbuchautor gearbeitet. Sein erstes Buch wurde 1996 veröffentlicht.  Inzwischen hat er mehrere Krimireihen geschrieben. Die um Tabor Süden war die erste davon. Er wurde sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, unter anderem 2012 für dieses Buch. Die Geschichten rund um Tabor Süden sind in zwei Etappen entstanden. Von 1998 bis 2009 ist er Ermittler in der Vermisstenstelle der Münchner Polizei (15 Bände). Nachdem er dort ausgestiegen ist, gibt es eine mehrjährige Pause, bevor er mit diesem Buch als Privatdetektiv neu startet. Anschließend sind noch fünf weitere Romane entstanden.

Meine Bewertung

Es ist ein stilles und unaufgeregtes Buch. Keins mit erhöhtem Herzschlag, bei dem man glaubt, die Spannung nicht aushalten zu können. Trotzdem bleibt die Neugierde und das Interesse daran, dass der Fall aufgeklärt werden muss. Der große Schweiger Süden ist sicherlich niemand, mit dem man einen amüsanten Abend verbringen könnte, aber er versteht sein Handwerk, stellt genau die richtigen Fragen und bemerkt vor allem das, was nicht gesagt wird. Es macht Spaß, ihn dabei zu begleiten, wie er der Lösung Stück für Stück näherkommt und bei mir bleibt am Schluss die Erkenntnis, dass man Menschen immer nur vor den Kopf gucken kann und nicht hinein. Für mich ein sehr empfehlenswertes Buch und für mich sicherlich nicht das letzte aus dieser Reihe.

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