Buchtipp #19: Jodi Picoult – Ein Funken des Lebens

Jodi Picoult ist dafür bekannt, dass sie ihre Leser und Leserinnen grundsätzlich vor ein Dilemma und eine Entweder-Oder-Frage stellt. In diesem Buch geht es um die Frage: Wann beginnt ein Leben?

Das Setting

Ort der Handlung ist eine private Frauenklinik. Kein schickes Haus mit besonders guten Behandlungsmethoden, sondern eine Klinik, die das leistet, was das öffentliche Gesundheitssystem der USA nicht stemmen kann. Hier gibt es Verhütungsmittel, hier werden Vorsorgeuntersuchungen angeboten und auch Abtreibungen durchgeführt. Viele Frauen, die hier hinkommen, leben am unteren Rand der Gesellschaft.

Die Handlung

Ein bewaffneter Mann betritt die Klinik, tötet und verletzt Frauen und will sich symbolisch an denen rächen, die eine Abtreibung an seiner Tochter ausgeführt haben. Für ihn ist klar: Diese Menschen haben sein Enkelkind getötet. Dass seine Tochter gar nicht in dieser Klinik war, interessiert ihn dabei wenig. Über Stunden hält er die Frauen gefangen. Ein Unterhändler der Polizei versucht unterdessen, ihn zum Aufgeben zu bewegen. Dabei hat er sehr eigene Motive, denn seine 15jährige Tochter ist eine der Geiseln.

Der Autor

Jodi Picoult ist Jahrgang 1967, geboren wurde sie auf Long Island im Bundesstaat New York, heute lebt sie in New Hampshire. Sie studierte Kreatives Schreiben und Pädagogik und arbeitete als Texterin und Lehrerin. Rund 25 Romane hat sie inzwischen geschrieben, die sich fast alle um ethische Fragen drehen. Jodi Picoult gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Autorinnen und wurde unter anderem mit dem New England Book Award ausgezeichnet.

Lohnt es sich?

Ich habe die meisten Bücher von Jodi Picoult gelesen. Nicht alle haben mich komplett überzeugt, bei manchen hatte ich das Gefühl, von der Moralkeule erschlagen zu werden. Was ich aber nie abstreiten konnte, ist, dass sie mich zum Nachdenken bringt. Sie schafft es, die großen ethischen Fragen in kleine nachvollziehbare, fast alltägliche Handlungen zu übertragen. Da ist zum Beispiel der alte Nachbar, den jeder gerne mag, der wohl früher ein ranghoher Nazi war. Darf er weiter die Baseballmannschaft trainieren oder muss man ihn der Polizei melden? Da sind die Eltern, die alles tun, um das Leben ihres totkranken Kindes zu retten. Aber dürfen sie ein weiteres Kind zeugen, um es als „Ersatzteillager“ zu benutzen?

Oder eben wie in diesem Buch, die Frauen, die abtreiben. Ist das moralisch in Ordnung, weil das Leben erst mit der Geburt beginnt oder sind sie Mörderinnen, wie die Demonstranten vor der Frauenklinik ihnen vorwerfen? Sicher ist, dass sich keine von ihnen die Entscheidung leicht gemacht hat. Sehr deutlich zeigt Jodi Picoult in diesem Buch auch, welche Steine ihnen dabei in den Weg gelegt werden, wie wenig Unterstützung sie von außen bekommen, um das Kind vielleicht doch behalten zu können. Man kann also auch durchaus von einem politischen Buch sprechen. Spannend ist es auch, denn der Geiselnehmer befindet sich in einem psychischen Ausnahmezustand und ist unberechenbar. Ich fand zudem die Erzählweise sehr interessant, denn die Geschichte läuft rückwärts. Wir wissen schon, dass es Verletzte und Tote gibt, als es losgeht und nach und nach entspinnt sich das, was der Tat vorausging, warum die Frauen vor Ort sind und wie sie während der Gefangenschaft miteinander agieren. Für mich definitiv ein sehr lesenswertes Buch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s