Buchtipp #27: Sabine Thiesler – Im Versteck

Ich muss gestehen: Im Versteck ist der erste Thriller, den ich von Sabine Thiesler gelesen habe. Aber bestimmt nicht der letzte.

Worum geht es?

Paul Böger ist um die 40 und freier Fotograf in Hamburg. Nach einigen Urlauben in der Toskana beschließt er dort zu bleiben. Er kauft ein Haus tief im Wald, mit tollem Ausblick, aber völlig verwildert, ohne Strom, Wasser und Handyempfang. Für ihn der ideale Ort, um sich zu verstecken. Nicht vor der Welt, sondern in erster Linie vor sich selbst. Denn Paul Böger ist ein Mädchenmörder und er weiß sehr genau, dass es wieder passieren wird, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Er ist keiner, der Spaß an seinen Taten hat und sich daran weidet, er leidet darunter. Der Zwang, der ihn überkommt, wenn er kleine Mädchen sieht, ist erdrückend, er schämt sich vor sich selbst, kommt gegen den Trieb aber nicht an. Dieses Haus im Wald, in der Einsamkeit, soll ihn also davor beschützen, wieder zum Täter zu werden. Doch ganz so einfach wie er es sich vorstellt, ist es nicht. Denn ab und zu muss er beruflich zurück nach Deutschland und schließlich lernt er auch noch eine Frau kennen, die selbst ein kleines Kind hat.

Nichts für empfindsame Leserinnen und Leser

Ich liebe Thriller, ich mag spannende, manchmal auch grausame Bücher, ich halte beim Lesen einiges aus. Im Versteck hat mich an mehreren Stellen bis an meine Grenzen gebracht. Mehr als einmal habe ich gedacht: „Das passiert doch jetzt nicht wirklich, dass darf nicht sein.“ Und es ist passiert. Paul Böger ist als Kind selbst missbraucht worden und diese Rückblenden fand ich nahezu unerträglich. Natürlich habe ich sie trotzdem gelesen, aber es war sehr hart für mich, weil der Text dabei sehr ins Detail geht. An anderen Stellen bleibt Sabine Thiesler dafür sehr distanziert. Gerade die Mädchenmorde beschreibt sie kaum, es ist eher der Weg dorthin, der für Spannung sorgt. Man möchte den Kindern zurufen „Lauf weg“, auch wenn klar ist, dass das nichts nutzen wird. Es gibt viele aufreibende Momente, so dass die Spannungskurve fast durchgehend hoch ist. Zeit zum Durchatmen gibt es wenig, weil man immer schon ahnt, dass bald wieder etwas Schlimmes passiert.

Was mich genervt hat

Der größte Teil des Buches spielt in Italien, da kann ich mir vorstellen, dass die Menschen dort italienisch sprechen. Ich brauche es für das Lokalkolorit nicht, dass immer wieder italienische Begriffe  wie certo, oddio oder va bene in die wörtliche Rede übernommen werden. Das hat mich beim Lesen nach gewisser Zeit wirklich genervt.

Fazit

Man merkt, dass Sabine Thiesler viel Erfahrung mit dem Schreiben von Drehbüchern hat. Die Kapitel sind kurz, ähnlich wie Sequenzen im Film. Dadurch ist das Buch sehr abwechslungsreich und schnell. Ihr Schreibstil ist nicht sehr anspruchsvoll, was ich nicht negativ meine, denn dadurch kann man das Buch hervorragend „weglesen“. Auch wenn es für mich wie oben beschrieben bisweilen hart an der Grenze war, habe ich nie darüber nachgedacht, es nicht weiterzulesen. Ich habe vielmehr andere Tätigkeiten vernachlässigt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Als ich die Missbrauchsszenen gelesen habe, habe ich befürchtet, dass die Autorin versucht, die Taten, die Böger begeht, zu rechtfertigen. Das hätte ich persönlich als sehr schlimm empfunden, meine Befürchtung war aber unbegründet. Diese Erfahrungen machen einige Handlungen und Reaktionen, die nichts mit den Mädchenmorden zu tun haben, nachvollziehbarer.

Dieses Buch empfehle ich – trotz der beschriebenen kleinen Mängel – gerne weiter.

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