Buchtipp #36: JP Delaney – Du gehörst uns

Eigentlich möchte man gar nicht weiterlesen, weil es so schmerzhaft ist. Aufhören geht aber auch nicht. Für mich eins der besten Bücher der vergangenen Monate.

In Kürze

Titel: Du gehörst uns

Autor: JP Delaney

Verlag: Penguin

Erschienen: 2021

Preis: 15,00 Euro

Es ist wahrscheinlich der Albtraum aller Eltern: Im Krankenhaus werden zwei Babys vertauscht. Dabei beginnt der eigentliche Albtraum erst Jahre später.

Worum geht es?

Pete und Maddie leben in London, er ist Reisejournalist, sie arbeitet in der Werbung. Beide freuen sich auf die Geburt ihres ersten Kindes. Doch in der 29. Schwangerschaftswoche gibt es Probleme und der kleine Theo kommt viel zu früh auf die Welt. Sein Leben ist in Gefahr und er verbringt die ersten Monate auf einer Kinderintensivstation. Zum Glück übersteht er alles gut und ist mit zwei Jahren ein gesundes Kind, um das sich Pete hauptsächlich kümmert, während Maddie das Geld für die kleine Familie verdient. Eines Morgens stehen zwei Männer, Miles Lambert und ein Privatdetektiv, vor der Tür und teilen Pete mit, dass er nicht Theos Vater ist. Zunächst denkt er, Maddie habe ihn betrogen, erfährt dann aber, dass es auf der Kinderintensivstation eine Verwechslung gegeben hat und sein leiblicher Sohn David bei Miles und dessen Frau Lucy aufwächst.

Eine konfliktträchtige Situation

Beide Familien wollen mit der schwierigen Situation vernünftig umgehen und alles tun, damit es den Kindern gutgeht. Sie besuchen sich gegenseitig, planen gemeinsamen Urlaub und als Theo aus dem Kindergarten fliegt, wird er von Davids Kindermädchen mitbetreut. Darüber hinaus wollen sie das Krankenhaus und den staatlichen englischen Gesundheitsdienst verklagen.

Doch so einfach wie gedacht, ist es nicht. Zum einen könnten die finanziellen Unterschiede zwischen den Familien kaum größer sein, zum anderen beginnt Miles damit, Theo immer mehr einzunehmen. Er möchte ihn bereits jetzt auf die Warteliste eines hervorragenden Internats setzen lassen und kommt ständig vorbei, um seinen Sohn zu sehen. Als Pete und Maddie ihm dies untersagen wollen, haben sie wenige Tage später eine offizielle Sorgerechtsklage im Briefkasten. Und Miles spielt mit den härtesten Bandagen: Er will, dass beide Kinder bei ihm und seiner Frau Lucy leben und schreckt dabei vor keinem miesen Trick zurück.  

Mein Fazit

Es ist mir unglaublich schwergefallen, das Buch aus der Hand zu legen. Es war mit das Spannendste, was ich in den vergangenen Monaten gelesen habe. Der Anfang ist noch eher ruhig, auch wenn es natürlich eine grässliche Situation ist, wenn man erfährt, dass man seit zwei Jahren das falsche Kind großzieht. Richtig Fahrt nimmt die Geschichte auf als Miles beginnt Theo komplett für sich einzunehmen. Er hat Geld, die richtigen Kontakte und kennt alle Tricks, während Pete und Maddie mit einigen Problemen in ihrer Ehe oder bei den Finanzen zu kämpfen haben. Genau diese eigentlich kleinen Unzulänglichkeiten macht Miles sich im Kampf um die Kinder zunutze. So wird aus einer eher harmlosen Handlung plötzlich eine Katastrophe, die das eigene Kind kosten kann. Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen, um die Spannung zu erhalten. Auf jeden Fall war ich immer wieder überrascht davon, welche Gemeinheit Miles als nächstes aus dem Hut zieht. Und der Prozess, in dem das Sorgerecht geregelt werden soll, ist auch kaum zu ertragen. Über allem schwebt bis zuletzt die Frage, wer überhaupt die Schuld an der Verwechslung trägt und wen man dafür zur Verantwortung ziehen kann.

Dieses Buch ist – auch ohne Mord und Totschlag – ein echter Thriller. Frischgebackenen oder werdenden Eltern rate ich von der Lektüre ab, allen anderen wünsche ich genauso viel Nervenkitzel, wie ich ihn hatte.

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