Buchtipp #50  –  Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt

In Kürze

Titel: Was ans Licht kommt

Autor: Christoffer Carlsson

Verlag: Rowohlt

Erschienen: 2022

Preis: 23 Euro

Vielfach ausgezeichneter Autor

Autor Christoffer Carlsson ist in seiner Heimat Schweden mit angesehenen Preisen ausgezeichnet worden. Mir war er bis zu diesem Buch allerdings völlig unbekannt. Mein Fehler. Carlsson ist Jahrgang 1986 und Doktor der Kriminologie. Für mich schon mal eine interessante Voraussetzung, um auf einen spannenden Kriminalroman hoffen zu dürfen. Und soviel vorab: Ich bin nicht enttäuscht worden und es ist eine Ehre, dass meine 50. (!) Rezension sich diesem Buch widmet.

Mehr als 30 Jahre im Blick

Wir befinden uns im Jahr 2019 als ein junger Schriftsteller in seine Heimat im schwedischen Hinterland zurückkehrt. Nach Jahren in Stockholm, einer Scheidung und einer Schreibblockade zieht er sich in sein Elternhaus zurück, um Ruhe zum Schreiben zu finden. Der friedliche Ort wurde zwischen 1986 und 1991 von mehreren Morden erschüttert. Jetzt, nach 33 Jahren, berichten die Medien darüber, dass endlich ein Täter ermittelt werden konnte.

Von der Zeitungslektüre des Schriftstellers springen wir im nächsten Kapitel etwas überraschend ins Jahr 1986. Und erleben mit was in der Mordnacht passiert. Die Hauptperson ist Polizist Sven, der sich fast alleine um das schwer verletzte Opfer, das auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt, und den Tatort kümmern muss. Da am selben Abend der Ministerpräsident erschossen wurde, werden alle Polizeikräfte anderweitig benötigt. Eine Aufklärung des Falls gelingt Sven nicht, er wird ihn aber für den Rest seines Lebens begleiten. Svens Sohn Vidar wird ebenfalls Polizist und versucht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, auch wenn beide kein enges Verhältnis haben. Viele Jahre nach dem Tod seines Vaters nimmt er die Ermittlungen wieder auf und merkt dabei, dass sein Vater einige schwerwiegende Fehler gemacht hat. Für beide Männer gibt es zu ihrer Zeit nur die Ermittlungen. Sie stürzen sich hinein und entwickeln fast wahnhafte Züge.

Über die weiteren Vorfälle möchte ich hier noch nichts verraten, um nicht zu sehr zu spoilern. Deutlich ist, dass die ganze Region von den Morden sehr mitgenommen und davon geprägt wurde. Es gibt kaum jemanden in der ländlich überschaubaren Gegend, der nicht in irgendeiner Form mit den Vorfällen oder den Opfern verbunden ist oder eine Meinung dazu hat.

Auf mehreren hundert Seiten erfahren wir, was in den rund 30 Jahren vorgefallen ist. Dann kommt der Schriftsteller wieder ins Spiel und es wird klar, dass alles, was wir bisher gelesen haben, sein Buch über die Taten gewesen ist. Ganz rund kommt ihm seine Geschichte nicht vor, deshalb beginnt er genauer zu recherchieren. Er befragt Vidar, eine frühere Kollegin von Sven und ein überlebendes Opfer und kommt durch Zufall darauf, dass die vorliegenden Ermittlungsergebnisse der Polizei nicht stimmen können.

Psychologisches Understatement

Die drei Straftaten in diesem Buch sind im Grunde sehr grausam und brutal, sie werden aber nicht so beschrieben. Man erfährt eher nebenbei, was passiert ist, zum Beispiel in dem ein Kind aussagt, ein Mann habe eine Frau geschlagen. Dass es sich dabei um ein Gemetzel gehandelt haben muss, kann man sich anhand der Spurenlage denken, es wird aber nicht explizit erzählt. Von daher würde ich diesen Kriminalroman als eher ruhig und zurückhaltend bezeichnen, klassisches Understatement. Dazu hat der Autor einen hervorragenden Blick auf den psychischen Zustand der handelnden Personen. Sie sind zwar introvertiert, beim Lesen versteht man aber trotzdem, was in ihnen vorgeht und was sie zu ihrem Handeln bewegt.

Interessant und ungewöhnlich finde ich auch, dass Verdächtige und Täter wenig Raum einnehmen oder eher eine Nebenrolle spielen, während die ermittelnden Polizisten im Fokus stehen. Es ist fast so als hätten diese keine so große Aufmerksamkeit verdient.

Sprachlich hat mich das Buch an vielen Stellen ebenfalls begeistert. Carlsson beschreibt sehr gut und nutzt ungewöhnliche Bilder und treffende Formulierungen. Es ist ein gut durchdachter und hervorragend umgesetzter Kriminalroman. Ich habe das Buch nicht mit Gänsehaut und angehaltenem Atem gelesen, sondern mit viel Aufmerksamkeit und Neugierde. Gerade Menschen, die Kriminalfälle mögen, vor Gewalt und Blutvergießen aber zurückschrecken, werden sich hier abgeholt fühlen.

2 Kommentare zu „Buchtipp #50  –  Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt

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