Buchtipp #51  –  Rosalie Schmidt: Der Duft der Kirschblüten

In Kürze

Titel: Der Duft der Kirschblüten

Autorin: Rosalie Schmidt

Verlag: dtv

Erschienen: 2022

Preis: 10,95 Euro

Ein Buch wie eine freundliche Umarmung

Ich kann es eigentlich kurz machen: Ich liebe dieses Buch! Mich, die ich historische Romane normalerweise liegen lasse, hat dieser Roman von der ersten Seite an in den Bann gezogen.

Berliner Teestube 1870

Wir befinden uns im Berlin der 1870er Jahre, wo Familie Winterfeld (Vater, Mutter und die beiden Töchter Clara und Netty) eine Teestube betreibt. Bruder August ist bei der Armee und interessiert sich nicht für das Familiengeschäft. Clara ist 24 und unterstützt ihren Vater bei der Geschäftsführung, was in der damaligen Zeit mehr als ungewöhnlich war. Sie entwickelt neue Tees, macht die Einkäufe und Abrechnungen und übernimmt immer mehr Aufgaben, je gebrechlicher der Vater wird. Clara träumt von Abenteuern und fremden Ländern und als ein Teehändler aus Japan seinen neuen grünen Tee anbietet, verliebt sie sich Hals über Kopf in die freundliche und zugleich exotische Art von Herrn Akeno. Aber eine solche Beziehung ist zur damaligen Zeit unmöglich.

Stattdessen heiratet Clara ihren Jugendfreund Franz als dieser bei einer finanziellen Schieflage Unterstützung für das Teehaus anbietet. Sie liebt ihn nicht, aber Liebesehen sind zu diesem Zeitpunkt auch sehr ungewöhnlich. Also beugt sie sich der Vernunft und ist vom ersten Tag an unglücklich in ihrem neuen Leben und flüchtet schließlich sogar wieder zu ihrer Familie. Einen Briefkontakt nach Japan hält sie heimlich weiter aufrecht. Mehr möchte ich nicht verraten….

Aber auch die anderen Familienmitglieder haben ihr Päckchen zu tragen. Ein heimlicher Sohn, eine unglückliche Liebe, die zum Selbstmord führt, Heimlichkeiten und Verzweiflung. Dazu spielt auch das Thema Tee eine Rolle. Teezeremonien, die Herkunft und Erfindung von Teesorten und Geschmacksrichtungen, Duft und Farbe.

Gelungener Einstieg in eine Serie

Meine Inhaltsangabe und auch das Buchcover deuten darauf hin, dass wir uns im eher kitschigen, gefühlsduseligen Bereich bewegen. Das kann ich glücklicherweise verneinen. Es ist vielmehr ein interessanter historischer Roman, der eine starke, unkonventionelle Frau und ihre Familie in den Mittelpunkt rückt und das alles vor dem Hintergrund des Teehandels. Die Familie der Autorin betreibt selbst ein Teehaus in Göttingen, so dass wir davon ausgehen können, dass die fachliche Einordnung korrekt ist. Diese Kombination aus Sujet und Cast passt sehr gut.

Meine Meinung

Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar ist: Dieses Buch war für mich wie eine warme, freundliche Umarmung. Es hat nur wenige Seiten gedauert, da war ich schon in einem Berliner Hinterhof und habe die frierende Clara beim Kohlenschippen begleitet. Der Roman wirkt absolut authentisch. Er spielt nicht mit historischen Daten und Fakten, vermittelt aber das Lebensgefühl und die Konventionen (und die damit verbundenen Zwänge) der damaligen Zeit. Dieses historische, verbunden mit einer tragischen Liebesgeschichte war für mich eine perfekte Mischung. Als Teetante fand ich auch alles rund um das Thema Tee spannend. Mich hat die Beschreibung einer japanischen Teezeremonie unfassbar begeistert, weil sie tatsächlich eine erotische Komponente hat – das muss man erstmal schaffen.

Im Frühjahr erscheint der 2. Band und ich bin schon sehr gespannt.

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