Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse

In Kürze

Titel: Der Gesang der Flusskrebse

Autorin Delia Owens

Verlag: Heyne

Erschienen: 2019

Preis: 11,99 Euro

Endlich Zeit für dieses wunderschöne Buch

Dieses zauberhafte Buch habe ich vor einiger Zeit in einem der öffentlichen Bücherschränke gefunden, in die ich regelmäßige alles bringe, was ich gelesen habe. Es hat trotzdem noch ein paar Monate gedauert, bis ich die Ruhe hatte, mich auf diese mehr als 450 Seiten einzulassen. Interessanterweise steht „Der Gesang der Flusskrebse“ drei Jahre nach seinem Erscheinen gerade wieder ganz oben in den Bestsellerlisten. Die Verfilmung fürs Kino hat wieder für ein riesengroßes Interesse gesorgt. Bei mir war das Buch jetzt einfach mal dran – denn der Hype um ein Buch schreckt mich meistens mehr ab als dass er mich neugierig macht (Harry Potter habe ich auch erst viele Jahre nach dem Ersterscheinungstermin gelesen).

Naturbeschreibungen vom Feinsten

Dieses Buch spielt im Marschland, jener Gegend zwischen Festland und Meer, die von zahllosen Flüssen, Bächen, Sandbänken und Wäldern geprägt wird. Hier kommt man fast nur mit kleinen Booten voran und findet Tiere und Pflanzen, die es sonst so gut wie nirgends gibt. Delia Owens gelingt es phantastisch, diese Natur zu beschreiben. Normalerweise überfliege ich solche detaillierten Beschreibungen nur, hier habe ich mich abgeholt gefühlt und war direkt drin und konnte das Salzwasser fast riechen.

Die Handlung

Die Geschichte von Kya beginnt in den 1950er Jahren. Die Mutter verlässt die Familie, als das Mädchen acht Jahre alt ist und auch die älteren Geschwister ziehen nach und nach aus. So bleibt Kya allein bei ihrem alkoholabhängigen Vater zurück, der zuerst immer wieder für mehrere Tage und schließlich für immer verschwindet. In der Schule war sie nur einen Tag, sie ist aber lebensklug und schafft es, sich allein über Wasser zu halten. Jumper, ein schwarzer Händler, mit Tankstelle und kleinem Shop, wird ihr Unterstützer. Bei ihm besorgt sie Benzin für ihr Boot, er kauft ihr Fische und Muscheln ab, so dass sie Geld für ihren täglichen Bedarf hat. Obwohl der gesamte Ort weiß, dass das Marschmädchen allein lebt, kümmert sich niemand um das Kind, stattdessen machen Schauergeschichten und Gerüchte die Runde.

Eines Tages trifft Kya Tate, einen Freund ihres Bruders, wieder. Er bringt ihr Lesen bei, besorgt ihr Bücher und kümmert sich um die 14jährige. Schließlich verlieben sich beide, aber als Tate wegen des Studiums wegzieht, endet die platonische Beziehung abrupt und Kya wird erneut von einem wichtigen Menschen verlassen. Gegen die Einsamkeit lässt sie sich mit Chase ein. Der junge Mann aus gutem Haus besucht sie regelmäßig in ihrer Hütte, nimmt sie aber nie mit zu sich nach Hause. Er verspricht ihr die Hochzeit, ein Haus und eine Familie und Kya lässt sich auf ihn ein. Durch Zufall erfährt sie nach Jahren, dass Chase ein Doppelleben führt und längst mit einer anderen Frau verlobt ist. Wütend und enttäuscht beendet sie die Beziehung. Einige Zeit später wird Chase tot aufgefunden. Er ist durch die Dachluke eines Leuchtturms gestürzt. Zeugen gibt es nicht, aber schnell wird Kya zur einzigen Verdächtigen. Sie wird vor Gericht gestellt und ihr droht die Todesstrafe. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn du sollst natürlich noch Spaß daran haben, das Buch zu lesen, ohne genau zu wissen, was passiert.

Meine Meinung

Dies ist ein warmherziges und zauberhaftes Buch. Delia Owens gelingt es, die Figuren so genau zu schildern, dass man schnell das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Mit Kya hat sie eine sehr ungewöhnliche Hauptdarstellerin geschaffen. Stark, aber einsam, zurückhaltend und doch emotional, verlassen und noch voller Hoffnung, eine eigene Familie oder den einen Menschen fürs Leben zu finden. Hinzu kommt eine große Liebe zur Natur. Kya lebt mit den Jahreszeiten, kennt jede Pflanze und jedes Tier im Marschland, so dass sie sogar Bücher darüber schreiben kann. Diese Liebe hat sich auf mich als Leserin übertragen. Eigentlich völlig ungebildet, schafft sie es, sich selbst alles beizubringen, was sie fürs Leben braucht. Dafür muss man dieses Kind und später die junge Frau einfach bewundern. Erschreckt hat mich, dass niemand sich in der Stadt darum gesorgt hat, was mit dem Mädchen passiert. Obwohl alle wussten, dass es alleine, ohne einen Erwachsenen in der Einsamkeit der Marsch lebt. Aber auch das erzählt Delia Owens grandios.

Es ist ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte. Ich bin eingetaucht in die Landschaft und das Leben und kann es jedem empfehlen, der große Erzählungen mag. In dieser Geschichte steckt viel mehr als ich in meiner kleinen Rezension wiedergeben kann.

Ein Kommentar zu „Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse

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