Christina Rey: Ein kleines Stück von Afrika. Aufbruch

In Kürze

Titel: Ein kleines Stück von Afrika. Aufbruch

Autorin: Christina Rey

Verlag: Lübbe

Erschienen: 2022

Preis: 16.99 Euro

Die Faszination Afrikas, eine große Liebe und viel Historisches. Dieses Buch bietet gleich mehrere Facetten.

Die Geschichte

Es ist 1910. Ivory lebt in einer angesehenen Londoner Familie und hat gerade die Schule beendet. Eigentlich sollte sie in dieser Saison debütieren und in die Gesellschaft eingeführt werden. Bevor die Planungen allerdings losgehen, kommt ihr Vater mit einem faszinierenden Angebot: Er will mehrere Monate in Afrika auf Safari gehen und Ivy mitnehmen. Die junge Frau hasst Jagen, möchte aber die Chance nutzen, einen fremden Kontinent kennenzulernen. Die Safari wird von Adrian Edgecrumb angeführt, der Großwildjäger stammt ebenfalls aus einer angesehenen britischen Familie, hat sich aber für das Abenteuer entschieden. Ivy und er geraten häufig über das Thema Jagd aneinander, verlieben sich aber schließlich und die Engländerin willigt ein, ihn zu heiraten und auf seiner Farm zu leben. Allerdings unter der Voraussetzung, dass er den Lebensunterhalt nicht mit dem Töten von Tieren verdienen wird. Kurz nach der Hochzeit merkt sie, dass dieses Versprechen eine Lüge war. Auf der 15.000 Hektar großen Farm können Reiche Urlaub machen und auf Safari gehen. Die erlegten Tiere werden vor Ort präpariert und als Souvenir nach Hause geschickt. Ivy übernimmt die Rolle der Gastgeberin und kümmert sich außerdem um verletzte und verlassene Tiere. Die Beziehung zwischen den Ehepartnern ist aber dauerhaft getrübt und so ist es für Ivy auch nicht weiter schlimm, dass Adrian erst zur Tigerjagd nach Indien und anschließend zur Armee geht, um im ersten Weltkrieg zu kämpfen. Sie übernimmt stattdessen die Geschäfte und schafft es, den Unterhalt für sich und zahlreiche Beschäftigte zu sicher, in dem sie aus der realen Jagd eine Foto-Safari macht, bei der nur noch Bilder geschossen werden. Das nur mal als grober Überblick. Es gibt deutlich mehr beteiligte Personen und zahlreiche weitere Handlungsstränge, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Faszinierendes Afrika

Autorin Christina Rey stammt zwar aus Westfalen, hat aber viel Zeit in Ostafrika verbracht und sich in den Kontinent verliebt. Ihr gelingt es sehr gut, diese Faszination weiterzugeben. Ihre Hauptfigur lernt Kenia als fremdes Land kennen, das viele Überraschungen bietet. Die Tierwelt, die Menschen, das Essen – Ivy erlebt alles staunend und mit Begeisterung. Und das färbt auf die Leserin oder den Leser ab und führt weg vom Alltag hin in die Wildnis mit dem Komfort einer Safari-Lodge.

Eine starke Frauenfigur

Ivy hat die großbürgerliche Erziehung genossen, die im England um die Jahrhundertwende üblich war, als es vor allem darum ging, Mädchen auf die Ehe und die Haushaltsführung vorzubereiten. Trotzdem bricht sie mit den geltenden Konventionen. Die Ehe mit einem Großwildjäger ist nur deshalb salonfähig, weil er aus einer angesehenen Familie stammt. Sie übernimmt aber auch Männeraufgaben, führt ihre große Farm alleine, sie verliebt sich noch einmal und diesmal noch „unpassender“. Sie hilft Missionarinnen dabei, den Orden zu verlassen, sorgt dafür, dass Stammeskinder eine Schulbildung erhalten und behandelt ihre schwarzen Bediensteten mit Respekt und Fürsorge. All das war zur damaligen Zeit für die meisten Weißen in Afrika undenkbar.

Meine Meinung

Das Buch hat mich wirklich gut unterhalten. Die Liebe zu einem fremden Land gepaart mit realen historischen Fakten hat mich recht schnell gepackt. Es ist ein Roman, ohne biografischen Hintergrund, dennoch stimmt vieles mit der Wirklichkeit überein und es hätte genau so oder ähnlich passiert sein können.

Ein bisschen Kritik muss trotzdem sein: Ich wusste von Anfang an, dass es noch einen zweiten Band geben wird. Ca. 100 Seiten vor dem Ende habe ich mich gefragt, was denn noch passieren soll, denn eigentlich war die Geschichte für mich zu Ende erzählt. Dann kamen aber Schlag auf Schlag noch mehrere Ereignisse dazu, die allerdings nicht richtig auserzählt wurden. Es fühlte sich für mich an, als habe man dringend noch einen Cliffhanger gesucht, um Neugier auf das nächste Buch zu machen. Für mich war es am Schluss zu viel in zu kurzer Zeit. Ich mochte das Buch auch deshalb, weil es sich Zeit zum Erzählen lässt und diese Ruhe hat mir am Ende gefehlt.

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