Angesehene schwedische Autoren, wie David Lagercrantz sagen über Christoffer Carlsson: „Der beste Kriminalautor, den wir in Schweden haben.“ Da werde ich bestimmt nicht widersprechen. Auch ich finde ihn großartig.
Darum geht’s
Polizist Vidar Jörgensson, den wir aus Carlssons anderen Bücher kennen, spielt diesmal nur eine Nebenrolle. Auch hier reicht – wie gewohnt – ein alter Fall bis in die Gegenwart hinein.
Der Schriftsteller Johan Oskarsson ist tot, man hat ihn erhängt aufgefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Oskarsson hatte zuletzt an der Biographie der berühmten Autorin Ingrid Klinga gearbeitet. Jetzt wird ein Freund vom Verlag gebeten, das Buch fertigzustellen. Dieser bleibt bis zum Schluss namenslos und tritt als Ich-Erzähler auf. Er hat Zweifel an der Selbstmord-Theorie, denn auch, wenn die Spurenlage eindeutig ist, spricht vieles dagegen, dass Oskarsson sich das Leben genommen hat. Seine Recherchen für die Biographie zeigen ihm bald, dass sein Freund etwas Gefährliches entdeckt haben könnte, denn Ingrid Klinga scheint einiges erlebt zu haben, als sie jung war.
Klingas Studentenzeit ist die zweite Erzählebene dieses Buches. Aufgewachsen in einfachen, ländlichen Verhältnissen, ist das Studium die Möglichkeit, eine ganz andere Welt kennenzulernen. Sie zieht in eine Zweier-WG und findet schnell neue Freunde. Diese bewegen sich im kommunistischen Milieu und ziehen Ingrid rasch mit hinein. Es ist die Zeit, in der Schweden darüber nachdenkt, Atomwaffen zu bauen und es gehören auch Mitarbeiter eines Rüstungsunternehmens zum Zirkel. Es dauert nicht lange, bis die Geheimpolizei vor Ingrids Tür steht und sie dazu bringt, Geheimnisse über die Gruppe zu verraten. Auch der deutsche Geheimdienst zwingt sie schließlich dazu zu spionieren. Eine schwierige Situation, vor allem, weil die junge Frau sich in ihren Kontaktbeamten verliebt, dies aber geheim halten muss. Schließlich stirbt sogar jemand. Ingrid kehrt in ihr Heimatdorf zurück, heiratet, bekommt ein Kind und wird eine erfolgreiche Schriftstellerin. Das düstere Kapitel aus den 1950er-Jahren scheint endgültig beendet zu sein. Jahrzehntelang ist es kein Thema mehr – bis die Recherchen zu der Biographie an diesen Geheimnissen rütteln.
Meine Meinung
Ich schätze an Carlssons Büchern, dass sie gut recherchiert sind und die Handlung Hand und Fuß hat. Er verzichtet auf permanente Plottwists, sondern präsentiert gut durchdachte Kriminalromane.
Das ist auch in diesem Fall so. Die Geschichte ist spannend erzählt und hat mich in ihren Bann gezogen. Das Agentenmilieu gehört nicht zu meinen Lese-Favoriten, in diesem Fall wirkt es aber so realistisch und nachvollziehbar, dass ich mich damit gut anfreunden konnte. Diese junge, von der großen Welt verwirrte junge Frau, die von allen Seiten ausgenutzt wird, hat dafür gesorgt.
Auch der Handlungsstrang in der Gegenwart, mit der Frage, wie kann man jemanden strangulieren und es wie einen Selbstmord aussehen lassen, war herausfordernd gut.
Fazit – Ist „Hinter dem Nebel“ empfehlenswert?
Diesen Krimi kann ich mit gutem Gewissen empfehlen. Er ist intelligent und es macht Spaß in die Zeit des Kalten Krieges einzutauchen. Wir sehr dieser auch auf Schweden eingewirkt hat, war mir bis dato nicht bekannt. Auch wenn der größte Teil der Geschichte in der Vergangenheit spielt, sind liebgewonnene Personen und Orte dennoch dabei. Das mag ich sehr.
Titel: Hinter dem Nebel
Autorin: Christoffer Carlsson
Genre: Kriminalroman
Verlag: Rowohlt
Erschienen: 2026
Preis: 25€